„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen.“ (Galater 5,1)
Frei ohne Bedingugen
Paulus schreibt diesen Satz vor fast zweitausend Jahren an die jungen christlichen Gemeinden in Galatien, einer Region in der heutigen Türkei. Die Menschen dort waren gerade erst zum christlichen Glauben gekommen – und schon traten Stimmen auf, die erklärten: So einfach ist das nicht. Ihr müsst zunächst bestimmte religiöse Vorschriften erfüllen, sonst gehört ihr nicht wirklich dazu. Erst die Leistung, dann die Liebe Gottes.
Paulus widerspricht dem mit leidenschaftlicher Schärfe: Ihr seid frei. Gottes Liebe hängt an keiner Bedingung. Sie war nie ein Tauschgeschäft, bei dem man erst liefern muss, um zu empfangen.
Wenn Liebe nicht verdient werden muss
Oft glauben auch wir, dass Liebe oder Anerkennung an Bedingungen geknüpft sind. Du bist etwas wert, wenn du gibst, funktionierst und dich anpasst. Doch wer frei ist, muss nicht erst etwas beweisen, um geliebt zu sein. Wer das glaubt, kann auch anderen offener begegnen.
Liebe braucht das Jetzt.
Sorgen, Vergleiche und Ängste entstehen oft in Gedanken an Gestern oder Morgen. Die kleinen Gelegenheiten, Gutes zu tun, liegen dagegen im Moment: eine Tür aufhalten, ein freundliches Wort sagen, jemandem begegnen, der gerade Unterstützung braucht.
Bei der CBM erleben wir das jeden Tag – im Miteinander im Büro ebenso wie in den weltweiten Einsätzen für Menschen mit Behinderungen. Wir fragen nicht, was jemand geleistet hat, um Hilfe zu verdienen. Denn jeder Mensch hat Würde.
Zur Freiheit befreit sein heißt für mich, frei vom „Erst wenn“ zu sein. Und wer den Paulustext weiterliest, findet wenige Verse später den Kern: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ (Galater 5,14)
Natalia Hille, CBM
